Hinweis:

Um die Funktionen dieser Webseite problemlos nutzen zu können und für die Verbesserung unseres Angebotes verwenden wir Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Webseite erklärst du dich / erklären Sie sich damit einverstanden.

 

74 Fälle von Zwangsverheiratung in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019

Die Zahl der polizeilich (d.h. infolge einer Anzeige) erfassten Fälle von Zwangsverheiratung in Deutschland scheint sich auf einem gleich hohen Niveau eingependelt zu haben. Nach 75 Fällen in 2017 und 2018 waren es im letzten Jahr 74 Fälle. 46 Prozent davon wurden als Versuche gezählt.

Betroffen von versuchter oder vollzogener Zwangsverheiratung waren ganz überwiegend Frauen, nämlich 72 im Alter zwischen 6 und 60 Jahren. Von den vier männlichen Betroffenen wird sogar ein Kind von unter 6 Jahren in der Liste geführt. Insgesamt sind fünf Kinder unter 14 Jahren im letzten Jahr von Zwangsheirat betroffen gewesen, zwei Jungs und drei Mädchen. Das Erschreckende: Nur ein Fall wurde dabei als Versuch gezählt, vier Eheschließungen fanden tatsächlich statt.

Wie schon in den Jahren zuvor, ist die größte Betroffenengruppe im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. 29 weibliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sowie ein junger Mann und 23 junge Frauen zwischen 18 und 21 Jahren waren 2019 von Zwangsheirat betroffen.

Verantwortlich für diese Menschenrechtsverletzung waren insgesamt 123 Tatverdächtige: 86 Männer und 37 Frauen.

Dies sind nur die offiziell geführten Zahlen, die nicht mehr als ein schwaches Licht auf das tatsächliche Ausmaß von Zwangsverheiratungen in Deutschland werfen können. Doch sie zeigen – wie in den Jahren zuvor – wichtige Aspekte auf: Zwangsverheiratung ist eine Form geschlechtsspezifischer Gewalt. Sie trifft insbesondere Mädchen und Frauen und dient dazu, sie und ihre Sexualität zu kontrollieren und zu unterdrücken. Dabei sind Frauen nicht nur Opfer, sondern auch Täterinnen. Das muss bei der Gefahreneinschätzung mitberücksichtigt werden. Aufgrund der Altersstruktur der Betroffenen ist es klar, dass nicht früh genug mit Aufklärung und Sensibilisierung angefangen werden kann, am besten schon in der Grundschule.

TERRE DES FEMMES leistet mit dem EU-Projekt „Gender ABC“  genau diese Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu geschlechtsspezifischer Gewalt an Berliner Schulen. Zudem bieten wir 10 kostenlose Aufführungen des Theaterstücks „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ bis Ende 2020 an Schulen in Baden-Württemberg an.

 

Quelle:

PKS - Bundeskriminalamt, 2019, Version 4.0

 

Stand: 04/2020